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RandomX erklärt: wie Monero-Mining funktioniert
Monero ist eine der letzten großen Kryptowährungen, die du mit einem normalen Computer minen kannst. Dahinter steckt kein Zufall, sondern ein Algorithmus namens RandomX, der seit 2019 im Einsatz ist und dessen einziges Ziel darin besteht, Spezialhardware unattraktiv zu machen. Dieser Artikel erklärt, was beim Mining passiert, wie RandomX das anders löst als Bitcoin und Ethereum, und wo die Idee an ihre Grenzen stößt.
1. Was Mining überhaupt tut #
Mining ist kein Geldsuchen. Es ist ein Sortierverfahren.
Irgendwer muss entscheiden, welche Transaktionen in welcher Reihenfolge in die Blockchain kommen. In einem System ohne zentrale Instanz braucht diese Entscheidung einen Preis. Sonst könnte jeder beliebig viele konkurrierende Versionen der Geschichte behaupten.
Proof of Work löst das über Rechenaufwand. Wer einen Block vorschlagen will, muss eine Rechenaufgabe lösen, die nur durch Ausprobieren zu lösen ist. Millionen von Versuchen pro Sekunde, bis ein Ergebnis zufällig unter einem Zielwert liegt. Das Ausprobieren kostet Strom. Das Prüfen des Ergebnisses ist dagegen billig und dauert Millisekunden.
Diese Asymmetrie ist der ganze Trick. Ehrlich mitzumachen ist günstiger als zu betrügen, weil Betrug bedeutet, gegen die gesammelte Rechenleistung aller anderen anzurechnen.
Bei Monero entsteht im Schnitt alle zwei Minuten ein Block. Wer ihn findet, erhält die Blockbelohnung plus die Gebühren der enthaltenen Transaktionen. Wer die Aufgabe löst, heißt Miner. Was er dabei rechnet, bestimmt der Proof-of-Work-Algorithmus. Bei Monero ist das RandomX.
2. Die Vorgeschichte: der Kampf gegen die ASICs #
Um RandomX zu verstehen, musst du wissen, wogegen es gebaut wurde.
Ein ASIC ist ein Chip, der genau eine Sache kann. Keine Tabellenkalkulation, kein Browser, nur diese eine Rechenoperation, dafür tausendfach schneller und sparsamer als ein normaler Prozessor. Sobald sich ein Algorithmus als lohnend erweist, baut jemand einen ASIC dafür.
Für Monero ist das ein Problem, kein Fortschritt. ASICs werden von wenigen Herstellern gebaut und an wenige große Betreiber verkauft. Wer die Chips baut, kann sie vor Auslieferung selbst nutzen. Wer die Hallen mit dem billigsten Strom hat, gewinnt. Am Ende liegt die Sicherheit des Netzwerks in wenigen Händen. Genau das wollte Monero nie.
Bis 2019 nutzte Monero die CryptoNight-Familie. Sie sollte über einen großen Speicherbedarf ASIC-resistent sein. Sie war es nicht. Es entstanden CryptoNight-ASICs, und Monero reagierte mit dem, was möglich war: Es änderte den Algorithmus. Immer wieder. Dokumentiert sind unter anderem Netzwerk-Upgrades am 18. Oktober 2018 (Blockhöhe 1.685.555) und am 9. März 2019 (Blockhöhe 1.788.000, CryptonightR).
Jede Änderung machte die existierenden ASICs zu Schrott. Und jedes Mal begann der Hersteller von vorn. Das Verfahren funktionierte kurzfristig, war aber ein Wettrennen ohne Ziellinie. Jedes Netzwerk-Upgrade kostet Koordination im gesamten Ökosystem. Also entschied sich das Projekt für den grundsätzlichen Weg: einen Algorithmus, bei dem sich der ASIC ökonomisch nicht mehr lohnt.
Die Entwicklung begann Ende 2018. Autor ist tevador, mit maßgeblichen Beiträgen von SChernykh und der ursprünglichen Idee von hyc. Am 30. November 2019 wurde RandomX bei Blockhöhe 1.978.433 aktiviert.
3. Wie RandomX funktioniert #
Der Name ist das Programm: Zufall.
Klassische Verfahren wie das von Bitcoin rechnen für jeden Versuch dieselbe feste Folge von Operationen. Nur die Eingabedaten ändern sich. Das lässt sich hervorragend in Silizium gießen, weil der Schaltkreis immer dasselbe tut.
RandomX dreht das um. Für jeden Hash erzeugt der Algorithmus ein neues, zufälliges Programm. Dieses Programm läuft in einer virtuellen Maschine, einem simulierten Prozessor mit eigenem kleinen Befehlssatz aus Ganzzahl-Rechnung, Fließkomma-Rechnung und Sprüngen. Die Programme werden zur Laufzeit in echten Maschinencode des Prozessors übersetzt. Am Ende werden die Ergebnisse mit der Hashfunktion Blake2b zu einem 256-Bit-Wert zusammengefasst.
Dazu kommt der Speicher. RandomX kennt zwei Betriebsarten:
- Fast mode. Braucht 2.080 MiB gemeinsamen Speicher. Das ist der Modus zum Minen.
- Light mode. Braucht nur 256 MiB, rechnet dafür deutlich langsamer. Er ist zum Prüfen gedacht.
Beide liefern dasselbe Ergebnis. Eine Node, die nur Blöcke verifiziert, braucht also keine 2 GB Datensatz im Speicher.
Der dritte Baustein ist der Schlüssel. Die Aufgabe wird aus einem Wert abgeleitet, den kein Miner selbst wählen darf. Monero nimmt dafür den Hash eines Blocks aus der eigenen Kette. Er wechselt alle 2.048 Blöcke, also etwa alle 2,8 Tage, mit einem Versatz von 64 Blöcken. Das ist wichtig: Könnte ein Miner den Schlüssel selbst bestimmen, könnte er sich Aufgaben aussuchen, die seine Hardware zufällig gut kann.
Das Ergebnis: Wer RandomX effizient rechnen will, braucht etwas, das beliebigen Code schnell ausführt, mit schnellem Cache, Sprungvorhersage und viel Speicherbandbreite. Also einen Prozessor. Ein ASIC für RandomX wäre am Ende: ein Prozessor.
4. Was RandomX besonders macht #
Vier Dinge unterscheiden RandomX von den ASIC-resistenten Versuchen davor.
Es zielt nicht auf Speicher allein, sondern auf Flexibilität. CryptoNight und Ethash haben versucht, ASICs über den Speicherbedarf auszubremsen. Speicher lässt sich aber kaufen und verbauen. RandomX verlangt zusätzlich etwas, das ein Spezialchip prinzipiell nicht sein kann: Universalität.
FPGAs fallen aus. Ein FPGA ist ein Chip, dessen Schaltung sich umprogrammieren lässt, oft die Zwischenstufe vor dem ASIC. Bei RandomX nützt das nichts. Das Laden einer neuen Schaltung dauert Sekunden bis Minuten, und Programme im Voraus vorzubereiten ist aussichtslos, weil es davon 2^512 verschiedene gibt. Ein FPGA kann RandomX nur rechnen, indem es einen Prozessor nachbaut. Dann ist es schlechter als ein echter.
Botnetze und Browser-Mining werden schwerer. Effizientes Minen verlangt mehr als 2 GiB Speicher. Das schließt die typischen IoT-Geräte aus, aus denen große Botnetze bestehen. Browser-Mining, also heimliches Minen im Hintergrund einer Webseite, funktioniert ebenfalls nicht: zu viel Speicherbedarf, und JavaScript und WebAssembly beherrschen die nötige Fließkomma-Rundung nicht. Zusätzlich existiert mit RandomX Sniffer ein Werkzeug, das Schürf-Malware auf Windows erkennen kann.
Es ist geprüft, und zwar auf genau diese Eigenschaft. Zwischen Mai und August 2019 wurde RandomX von vier unabhängigen Teams auditiert: Trail of Bits, X41 D-SEC, Kudelski Security und QuarksLab, koordiniert von OSTIF. Drei der vier Audits wurden aus Community-Spenden finanziert. Bemerkenswert ist der Auftrag: Geprüft wurde nicht nur, ob die Kryptographie fehlerfrei ist, sondern auch, ob die Umsetzung einem ASIC- oder FPGA-Design einen nennenswerten Vorteil gegenüber Allzweck-Hardware erlaubt. Keines der vier Audits fand eine kritische Lücke. Alle vier Teams bescheinigten dem Code hohe Qualität und bemängelten die Dokumentation.
Nebenbei löst RandomX ein praktisches Problem. Weil GPUs auf einen anderen Arbeitsstil ausgelegt sind, viele einfache Rechnungen gleichzeitig statt einer komplizierten schnell, sind sie bei RandomX klar im Nachteil. Auch das ist Absicht.
5. Der Vergleich: Bitcoin, Ethereum, Monero #
Bitcoin: der Gegenentwurf #
Bitcoin nutzt SHA-256. Der Kern ist eine kryptographische Hashfunktion, die immer dieselben Operationen ausführt, kaum Speicher braucht und deren einzige Variable die Eingabe ist. Das ist für ASICs die ideale Ausgangslage, und genau so kam es.
Wie groß der Abstand ist, zeigt ein Blick auf alte Hardware. Der Antminer S9 von 2016 gilt heute als Museumsstück und schafft dennoch rund 13,5 bis 14 TH/s, also etwa 13,5 Billionen Hashes pro Sekunde. Die aktuelle Generation liegt bei über 110 TH/s. Ein Prozessor spielt in dieser Liga nicht mit. Er spielt nicht einmal im selben Sport.
Bitcoin sieht darin keinen Fehler. Die Logik lautet: Der Chip ist wertlos, wenn Bitcoin wertlos wird, also haben Miner ein Interesse an einem gesunden Netzwerk. Der Preis dafür ist eine Industrie. Wer heute Bitcoin minen will, kauft Hardware bei einer Handvoll Hersteller und braucht Industriestrom. Mit dem Laptop teilzunehmen ist seit über einem Jahrzehnt sinnlos.
Das ist der eigentliche Unterschied. Es geht nicht um Technik, sondern um die Frage, wer mitmachen darf.
Ethereum: der Versuch, der aufgegeben wurde #
Ethereum nutzte bis 2022 Ethash. Das Verfahren war speicherhart gebaut, unter anderem über einen großen Datensatz namens DAG, der mit der Zeit wächst. Man hielt es für ASIC-resistent. Die Stiftung selbst schreibt heute nüchtern: Ethash-ASICs wurden am Ende doch entwickelt, GPU- Mining blieb aber möglich, bis Proof of Work abgeschaltet wurde.
Bitmain brachte 2018 den Antminer E3. Die Community diskutierte einen Hard Fork gegen ASICs, verwarf ihn aber und konzentrierte sich auf den Umstieg auf Proof of Stake. Kurios: Den E3 erledigte am Ende nicht ein Fork, sondern der wachsende DAG, der irgendwann nicht mehr in seinen Speicher passte.
Am 15. September 2022 stellte Ethereum mit dem Merge auf Proof of Stake um. Mining bei Ethereum gibt es seither nicht mehr. Statt Rechenleistung sichert hinterlegtes Kapital das Netzwerk.
Was der Vergleich zeigt #
Drei Wege, drei Antworten auf dieselbe Frage:
- Bitcoin akzeptiert die Spezialisierung und nimmt die Industrialisierung in Kauf.
- Ethereum versuchte ASIC-Resistenz, gab sie auf und wechselte das Grundprinzip. Wer mitreden will, braucht nun Kapital statt Hardware.
- Monero hält an Proof of Work fest und verteidigt die Zugänglichkeit über den Algorithmus.
RandomX ist damit nicht „besser". Es ist eine andere Prioritätensetzung. Monero kauft Zugänglichkeit und bezahlt dafür mit einem dauerhaften Rüstungswettlauf, den es nie endgültig gewinnen kann.
6. Wo RandomX an Grenzen stößt #
Hier wird es unbequem, und hier ist auch der Teil, den Werbetexte für Mining-Hardware gern weglassen.
ASICs für RandomX existieren #
Bitmain brachte den Antminer X5 und später den leistungsstärkeren X9. RandomX hat ASICs also nicht verhindert. Die Frage ist, wie groß ihr Vorsprung ist. Und genau da wird es dünn mit belastbaren Quellen.
Zum Vergleich brauchst du eine ehrliche CPU-Zahl, und die gibt es. Das Mining-Programm XMRig sammelt Benchmark-Ergebnisse seiner Nutzer in einer öffentlichen Datenbank. Du kannst dort nach deinem eigenen Prozessormodell suchen, nach Threadzahl filtern und zwischen Einzelkern- und Mehrkern-Wertung umschalten. Wie belastbar ein Eintrag ist, siehst du an der Spalte mit der Zahl der Messungen: Ein Modell mit tausenden Einsendungen ist aussagekräftiger als eines mit einer einzigen. Es gibt dort bereits eine eigene Ansicht für RandomX v2.
Drei Prozessoren spannen die Bandbreite auf. Ein Intel Core i5-10400 mit sechs Kernen, also ein gewöhnlicher Bürorechner von 2020, kommt im besten seiner 241 eingereichten Läufe auf etwa 4,4 kH/s. Der am häufigsten gemessene Prozessor der ganzen Datenbank ist ein AMD Ryzen 9 5950X mit sechzehn Kernen, gestützt auf rund 7.000 Einsendungen, und liegt bei etwa 23,4 kH/s. Das schnellste Modell überhaupt ist ein AMD EPYC 9B45 mit 128 Kernen.
| Hardware | Hashrate |
|---|---|
| Intel Core i5-10400 (6 Kerne, 2020) | ~4,4 kH/s |
| AMD Ryzen 9 5950X (16 Kerne) | ~23,4 kH/s |
| AMD EPYC 9B45 (128 Kerne), schnellste CPU der Liste | ~249 kH/s |
Zwei Dinge fallen auf.
Schon unter Prozessoren liegt ein Faktor von rund 56. Vom Bürorechner bis zum 128-Kern-Server. Wo die ASICs in dieser Tabelle stehen würden, können wir nicht seriös sagen: Unabhängig gemessene Zahlen zu X5 und X9 existieren nicht, nur Angaben aus Hersteller- und Händlershops. Deshalb fehlen sie hier. Belegt ist, dass es die Geräte gibt und dass die RandomX-Entwickler sie ernst genug nehmen, um mit RandomX v2 gezielt auf ihre Effizienz zu zielen (Abschnitt 8).
Mehr Threads sind nicht mehr Hashrate. Auf der Detailseite des i5-10400 stehen auch Läufe mit zwölf Threads. Sie liefern weniger als die Läufe mit sechs. Das ist kein Messfehler, sondern der Cache aus Abschnitt 3: RandomX braucht etwa 2 MiB L3-Cache pro Thread. Wer mehr Threads startet, als der Cache hergibt, wird langsamer. Deshalb nutzt der Miner auf den meisten Prozessoren nicht alle Threads.
Genau das war das Designziel. In der Projektbeschreibung von RandomX steht, der Effizienzvorteil von Spezialhardware solle minimiert werden. Dort steht nicht, ASICs seien unmöglich.
Pools zentralisieren, auch wenn der Algorithmus es nicht tut #
Ein einzelner Miner findet selten einen Block. Deshalb bündeln Pools Rechenleistung und verteilen die Belohnung. Das Ergebnis: Der Algorithmus streut die Hardware, der Pool-Betrieb bündelt die Macht wieder.
Wie deutlich, zeigt eine Momentaufnahme vom Prüfdatum. Von der öffentlich zugeordneten Hashrate entfielen rund 34,7 Prozent auf einen einzigen Pool und weitere 24,3 Prozent auf den zweiten. Zusammen also fast sechzig Prozent bei zwei Betreibern. Der dritte kam auf knapp zwölf Prozent.
P2Pool, die dezentrale Alternative ohne Betreiber, kam über seine drei Ketten zusammen auf etwa 5,7 Prozent des Netzwerks. Das ist wenig gemessen an dem, was es leistet, und es sind trotzdem zehntausende beteiligte Miner.
Diese Verteilung ist keine Eigenschaft von RandomX. Sie ist eine Summe von Entscheidungen einzelner Miner, die den bequemsten Pool wählen. Und sie ist der Grund, warum 2025 passieren konnte, was passierte.
Der Fall Qubic #
Im Sommer 2025 lenkte das Projekt Qubic gezielt Rechenleistung auf Monero und finanzierte damit die eigene Token-Ökonomie. Am 12. August 2025 erklärte Qubic öffentlich, über 51 Prozent der Monero-Hashrate zu kontrollieren, begleitet von einer Reorganisation über sechs Blöcke. Der Vorgang wurde breit als erfolgreicher 51-Prozent-Angriff berichtet.
Die Faktenlage ist enger als die Schlagzeilen. Qubics Hashrate war selbstberichtet und nicht unabhängig prüfbar. Eine wissenschaftliche Analyse von Lee und Kim rekonstruierte die Qubic zurechenbaren Blöcke aus eigenen Node-Messungen und fand zehn Phasen, die zu zurückgehaltenen Blöcken passen. Qubics Anteil stieg darin auf 23 bis 34 Prozent. Eine dauerhafte Mehrheit war nie zu beobachten. Die Autoren ordnen das Vorgehen als Selfish Mining ein, also das Zurückhalten gefundener Blöcke, und rechnen vor, dass es sich weniger lohnte als ehrliches Mining.
Trotzdem wurde es ernst. Am 14. September 2025 gelang Qubic eine Reorganisation über achtzehn Blöcke, die rund siebzig Minuten Kettengeschichte ersetzte. Etwa 115 Transaktionen wurden dadurch ungültig. Die Coins waren nicht weg, aber die Zahlungen hatten schlicht nie stattgefunden.
Das ist der Punkt, der dich direkt betrifft. Monero verlangt, dass du empfangene Coins zehn Blöcke lang nicht ausgibst, im Schnitt also etwa zwanzig Minuten. Diese Regel beruht auf der Annahme, dass Reorganisationen nicht tiefer als neun Blöcke gehen. Achtzehn Blöcke haben diese Annahme gebrochen.
Und selbst das beweist keine Mehrheit. Rucknium, der den Vorgang für die Community analysiert hat, hält fest: Qubic hielt über Monate hinweg einen großen, aber eben doch minderheitlichen Anteil. Mining ist ein Glücksspiel, und wer oft genug würfelt, würfelt auch mal achtzehn Mal hintereinander richtig.
In der Pool-Liste vom Prüfdatum taucht Qubic nicht mehr auf. Die Episode ist damit nicht erledigt, sondern beantwortet. Ein CPU-freundlicher Algorithmus schützt nicht davor, dass sich Hashrate an einer Stelle sammelt. Er senkt nur die Eintrittshürde für alle anderen.
Strom und Wärme bleiben real #
Minen kostet Energie, egal wie zugänglich es ist. Ein Prozessor unter Dauerlast zieht Strom, wird heiß und altert. Ob sich das rechnet, hängt an Faktoren, die niemand für dich vorhersagen kann.
7. Tail Emission: warum das Mining nie aufhört #
Ein Punkt gehört hierher, weil er die Ökonomie hinter dem Ganzen betrifft.
Moneros Haupt-Emission endete Ende Mai 2022 bei etwa 18,132 Millionen XMR. Seitdem läuft die Tail Emission („Anschlussverteilung"): dauerhaft mindestens 0,6 XMR pro Block, dazu die Gebühren.
Der Gedanke dahinter: Wenn eine Blockbelohnung irgendwann auf null fällt, hängt die Sicherheit des Netzwerks allein an den Transaktionsgebühren. Ob das trägt, ist eine offene Frage, die Bitcoin in einigen Jahrzehnten beantworten muss. Monero hat sich entschieden, diese Frage gar nicht erst zu stellen, und zahlt dafür mit einer geringen, unbegrenzten Inflation.
Für dich heißt das: Es wird immer einen Grund geben, Monero zu minen. Ein Netzwerk ohne Miner gibt es nicht.
8. Stand: RandomX v2 #
Dieser Abschnitt veraltet am schnellsten. Er ist geprüft zum 17. Juli 2026.
RandomX bekommt eine Überarbeitung. Die Version 2.0 mit dem neuen Algorithmus wurde am 25. März 2026 veröffentlicht, eine Korrektur 2.0.1 am 10. Mai 2026. Sie behebt einen seltenen Fehler auf ARM- und RISC-V-Systemen, bei dem etwa einer von 268 Millionen Hashes falsch berechnet wurde.
Wichtig: Das ist eine Software-Veröffentlichung, keine Aktivierung. Auf dem Mainnet läuft weiterhin RandomX in der Fassung von 2019. RandomX v2 ist für ein kommendes Netzwerk-Upgrade vorgesehen. Einen Termin gibt es nicht.
Die Ziele laut Entwicklerbericht: moderne Prozessoren besser auszulasten, die Verifikation von Blöcken über neue Commitments zu beschleunigen und die Effizienz der spezialisierten Bitmain-Hardware zu senken. Wie groß dieser Effekt ausfällt, lässt sich erst nach der Aktivierung messen. Konkrete Prozentwerte nennen wir, sobald es unabhängige Messungen gibt.
Zur Einordnung des Netzes, Momentaufnahme vom 17. Juli 2026:
- Netzwerk-Hashrate: rund 5,5 GH/s
- Difficulty: rund 659 G
- Blockhöhe: rund 3.719.450
- Aktuelle Node-Software: monerod v0.18.5.1
Solche Werte schwanken täglich. Prüfe sie selbst, bevor du sie irgendwo zitierst.
9. Was du daraus mitnehmen kannst #
- Du kannst mitmachen. Ein normaler Rechner mit einer 64-Bit-CPU ab etwa 2011, AES-NI und mindestens 2,5 GiB freiem Speicher pro NUMA-Node reicht technisch aus. Ob es sich lohnt, ist eine andere Frage.
- Miss nach, statt zu glauben. Such deinen Prozessor in der XMRig-Benchmark-Datenbank und
achte auf die Zahl der Messungen dahinter. Danach kannst du mit
xmrig --bench=1Mselbst messen. Zahlen aus Shop-Texten sind Werbung. - Dreh nicht die Threads hoch. Mehr Threads als Cache bedeutet weniger Hashrate, nicht mehr. Lass den Miner selbst entscheiden.
- Der Pool ist deine wichtigste Entscheidung. Zwei Pools halten derzeit fast sechzig Prozent der zugeordneten Hashrate. Wenn du minst, schau nach, wie groß dein Pool ist. P2Pool ist die dezentrale Variante ohne Betreiber, verlangt aber eine eigene, synchronisierte Node.
- Warte bei größeren Beträgen länger als zehn Blöcke. Die Zehn-Block-Regel ist eine Annahme, keine Garantie. Im September 2025 wurde sie gebrochen.
- Sei skeptisch bei Berichten über 51-Prozent-Angriffe. Selbstberichtete Pool-Hashrate ist kein Beleg, und ein tiefer Reorg allein beweist keine Mehrheit. Frage nach der unabhängigen Messung.
Zusammenfassung #
Monero minst du mit dem Prozessor, den du ohnehin hast, und das ist eine bewusste Entscheidung, keine technische Nebenwirkung. RandomX erreicht das, indem es für jeden Hash ein zufälliges Programm erzeugt und in einer virtuellen Maschine ausführt. Ein Spezialchip kann dabei kaum aufholen, weil er dafür universell sein müsste. Bitcoin ging den umgekehrten Weg und akzeptierte die ASIC-Industrie. Ethereum versuchte Widerstand, gab ihn auf und verließ Proof of Work ganz.
Perfekt ist RandomX nicht. Es gibt ASIC-Hardware dafür, und die nächste Version des Algorithmus zielt bereits auf sie. Und die Pool-Struktur bündelt die Macht, die der Algorithmus verteilt hat. Der Sommer 2025 hat das vorgeführt, bis hin zu einer Reorganisation, die Moneros eigene Zehn-Block-Regel gebrochen hat. Was RandomX leistet, ist bescheidener und trotzdem viel: Es hält die Tür offen. Wie viele Leute hindurchgehen und wo sie sich dann hinstellen, entscheidet der Algorithmus nicht.
Quellen #
Primärquellen, nach Abschnitt geordnet:
- RandomX: Referenz-Implementierung, Spezifikation, Modi, FPGA-Frage, CPU-Anforderungen, Schlüsselwechsel und Audits: https://github.com/tevador/RandomX
- RandomX-Releases (v2.0 vom 25. März 2026, v2.0.1 vom 10. Mai 2026): https://github.com/tevador/RandomX/releases
- RandomX v2, Änderungen an der virtuellen Maschine: https://github.com/tevador/RandomX/pull/274
- Moneropedia zu RandomX: https://www.getmonero.org/resources/moneropedia/randomx.html
- Aktivierung bei Blockhöhe 1.978.433, frühere Algorithmus-Upgrades, Blockzeit, Blockbelohnung, Tail Emission: https://docs.getmonero.org/technical-specs/
- Vier Audits, Abschlussbericht mit Prüfauftrag und Ergebnis (OSTIF): https://ostif.org/four-audits-of-randomx-for-monero-and-arweave-have-been-completed-results/
- Klassische Proof-of-Work-Verfahren im Vergleich zu RandomX (Trail of Bits): https://blog.trailofbits.com/2019/07/02/state/
- CPU-Hashraten, Datenbank mit Messungszahl je Modell (XMRig): https://xmrig.com/benchmark
- Einzelmessungen Intel Core i5-10400, inklusive der langsameren Läufe mit zwölf Threads: https://xmrig.com/benchmark?cpu=Intel%28R%29+Core%28TM%29+i5-10400+CPU+%40+2.90GHz
- Benchmark selbst ausführen (XMRig-Dokumentation): https://xmrig.com/docs/miner/benchmark
- Ethash, gescheiterte ASIC-Resistenz und Umstieg auf Proof of Stake (Ethereum Foundation): https://ethereum.org/developers/docs/consensus-mechanisms/pow/mining/mining-algorithms/ethash/
- Antminer S9, Hashrate und Einordnung älterer Bitcoin-Hardware (D-Central): https://d-central.tech/antminer-s9-is-it-still-worth-mining-in-2026/
- Qubic, Selfish Mining, gemessener Anteil von 23 bis 34 Prozent (Lee/Kim, arXiv 2512.01437): https://arxiv.org/abs/2512.01437
- Der 18-Block-Reorg vom 14. September 2025 und die Zehn-Block-Regel (Rucknium): https://rucknium.me/posts/monero-18-block-reorg/
- Qubics eigene Darstellung der Aktion: https://qubic.org
- P2Pool (Funktionsweise, Vergleich Solo/Pool/P2Pool): https://github.com/SChernykh/p2pool
- P2Pool-Anteile am Netzwerk (Main, Mini, Nano): https://p2pool.observer
- Pool-Verteilung und Netzwerkzahlen zum Prüfdatum: https://miningpoolstats.stream/monero
- RandomX-v2-Ziele, Entwicklerbericht via Community-Newsletter: https://www.themoneromoon.com/p/the-monero-moon-issue-86